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Magazin/Das älteste Gewerbe der Welt?

Das älteste Gewerbe der Welt?

Die Formel klingt nach Urzeit. Belegen lässt sich ein Ratshaus, ein Gesetz, eine Anmeldung.

Taschenuhr, Siegel und Münzen auf dunklem Stein, Klemmbrett am Rand

Wer das älteste Gewerbe der Welt sucht, will meist eine Geschichte des Sexkaufs: wann es anfing, wie viele Menschen, welches Gesetz. Die Formel klingt nach Befund. Sie ist eine Zeile aus einer Erzählung. Datierbar ist der Vertrag. Geld für eine sexuelle Handlung, und wer ihn beaufsichtigen durfte.

Deutschland hat eine dichte Rechtslinie, keine Naturgeschichte. Von einer preußischen Kabinettsorder 1792 bis zu Destatis 2026. Dieser Text folgt dieser Linie. Er erfindet keine Szene, die es immer schon gab.

Aufgeschlagenes altes Buch mit Messingmünze auf der Seite, daneben ein gefaltetes Formular und ein Stift
Eine Münze auf einer alten Seite. Ein Formular auf dem Tisch. Der Kauf ist älter als das Gesetz. Die Floskel nicht.

Die Floskel ist jünger als das Wort Bordell

Lalun is a member of the most ancient profession in the world. Lilith was her very-great-grandmamma, and that was before the days of Eve, as every one knows.

Rudyard Kipling, On the City Wall, 1888/89

Kipling schrieb keine These. Er schrieb eine Geschichte, die in Lahore spielt. Die heutige Formel verbreitete sich in den 1890er Jahren als Paraphrase. Das Oxford English Dictionary datiert „oldest profession“ als Umschreibung für Prostitution auf 1922. Vorher meinte „oldest profession“ oft die Landwirtschaft. Historiker nehmen die Zeile nicht als Befund.

Das deutsche Wort Bordell ist älter als die Floskel. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache setzt es ins 15. Jahrhundert, über mittelniederländisch bordeel und altfranzösisch bordel, ein Bretterhüttchen. Es verdrängte mittelhochdeutsch vrouwenhūs. Prostitution im Sinne des sexuellen Feilbietens gegen Geld kommt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ins Deutsche. Das Substantiv Prostituierte ist Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Formel vom ältesten Gewerbe ist jünger als alle drei.

Was wir nicht wissen

Herodot schrieb in den Historien 1.199, 5. Jahrhundert v. Chr., jede Babylonierin müsse einmal im Tempel der Aphrodite sitzen, dort Mylitta genannt, und mit einem Fremden schlafen. Das Geld werde heilig. Das ist ein griechischer Text über eine fremde Stadt, keine Keilschrift und keine Grabung.

Stephanie Budin hat 2008 vertreten, heilige Prostitution habe es als Institution im Alten Orient und im Mittelmeerraum nicht gegeben. Andere Althistorikerinnen streiten um die Einzelheiten. Die Debatte ist nicht geschlossen. Tempelhuren als Fakt überstehen sie nicht.

Was wir im deutschen Sprachraum datieren können, sind städtische Häuser. Am 13. Juli und 2. August 1413 beschließt der Freiburger Rat die Einrichtung eines städtischen Bordells. Das Ingolstädter Frauenhaus ist 1469 erstmals gesichert bezeugt und bestand über 1562 hinaus. Die Stadt erhob Zins und ernannte einen Frauenwirt. Im 16. Jahrhundert schlossen Reformation und Gegenreformation diese Häuser. Keines überdauerte das Jahrhundert. Der Kauf von Sex endete mit dem Schloss nicht.

Vier Stillleben mit den Jahreszahlen 1794, 1927, 2002 und 2017: Siegel, Flasche, Schlüssel, Stempel
Wer den Kauf kontrolliert: Policey (1794), Gesundheitsgesetz (1927), ziviler Anspruch (2002), Anmeldung (2017).

Zeitstrahl: wer den Kauf kontrolliert

Die Daten darunter sind ausgefertigte Gesetze, belegte Beschlüsse oder amtliche Zählungen. Wo nur das Jahr feststeht, bleibt der Tag leer. Die Antike steht nicht auf diesem Strahl. Sie trägt kein deutsches Gesetz.

  1. 1413
    13. Juli und 2. August
    Der Freiburger Rat beschließt die Einrichtung eines städtischen Bordells.
  2. 1469
    Ingolstädter Frauenhaus erstmals gesichert bezeugt. Die Stadt erhebt Zins.
  3. 15. Jh.
    Das Wort Bordell ist im Deutschen belegt.
  4. 16. Jh.
    Städtische Frauenhäuser werden geschlossen. Keines überdauert das Jahrhundert.
  5. 18. Jh.
    1. Hälfte
    Prostitution heißt im Deutschen das Feilbieten von Sex gegen Geld.
  6. 1792
    2. Februar
    Preußische Kabinettsorder wider die Verführung junger Mädchen zu Bordellen und zur Verhütung venerischer Übel. Meldepflicht, polizeiliche Erlaubnis, eine Klausel, dass Schulden den Austritt nicht sperren.
  7. 1794
    Das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten behandelt die Gewerbsunzucht als Polizeisache.
  8. 1835
    6. August
    Sanitätspolizeiliche Vorschriften Preußen. Ärzte sollen Ansteckungsquellen ermitteln und der Polizei anzeigen.
  9. 1872
    1. Januar
    Das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich (Redaktion 15. Mai 1871) gilt im Reich.
  10. 1876
    26. Februar
    Novelle zu § 361 Nr. 6. Strafbar ist die der Polizeiaufsicht unterstellte Frau bei Verstoß, und wer ohne diese Aufsicht gewerbsmäßig Unzucht treibt.
  11. 1888
    1888/89
    Kipling veröffentlicht On the City Wall. Hier beginnt die Floskel, nicht in Babylon.
  12. 1918
    11. Dezember
    Verordnung zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Rat der Volksbeauftragten. Notrecht nach dem Krieg.
  13. 1927
    18. Februar
    Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, RGBl. 1927 I S. 61. In Kraft am 1. Oktober 1927. Behandlungszwang. Als Reichsrecht endet die staatliche Bordellierung.
  14. 1939
    9. September
    Erlass „Polizeiliche Behandlung der Prostitution“ (Heydrich, in Vertretung des Reichsinnenministeriums, Einvernehmen mit dem Oberkommando der Wehrmacht). Erfassung, ärztliche Beaufsichtigung, Vorbeugungshaft.
  15. 1942
    23. März
    Himmler schreibt an Pohl, fleißig arbeitenden Häftlingen sollten „Weiber in Bordellen“ zugeführt werden. Bundesarchiv NS 19/2065.
  16. 1942
    Juni
    Erstes Häftlingsbordell im KZ Mauthausen. Bis 1945 zehn Lager. Sex-Zwangsarbeit. Die Forschung hat 174 Frauen namentlich nachgewiesen. Das ist keine Vollerhebung.
  17. 1953
    23. Juli
    Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten der Bundesrepublik, BGBl. I S. 700. Gesundheitsämter dürfen Unversehrtheit und Freiheit einschränken. Praxis: Zwangsuntersuchungen, vor allem von Frauen. Außer Kraft am 1. Januar 2001.
  18. 1973
    7. Juni
    Der Bundestag beschließt das 4. Strafrechtsreformgesetz. Ausgefertigt am 23. November 1973, BGBl. I S. 1725. Sexualstraftaten heißen fortan sexuelle Selbstbestimmung. Die allgemeine Kuppelei entfällt. Förderung der Prostitution und Zuhälterei bleiben. Für die Ausübenden war Prostitution schon weitgehend straffrei. Zivilrechtlich blieb der Vertrag sittenwidrig.
  19. 1998
    4. Juni
    Schweden fertigt SFS 1998:408 aus. In Kraft am 1. Januar 1999. Der Kauf sexueller Dienste wird strafbar. Der Verkauf nicht.
  20. 1999
    28. Oktober
    Die Niederlande heben das allgemeine Bordellverbot auf (Stb. 1999, 464). In Kraft am 1. Oktober 2000. Lizenzierung in der Gemeinde.
  21. 2001
    1. Januar
    Das Infektionsschutzgesetz ersetzt das Geschlechtskrankheitengesetz. Keine Untersuchungspflicht mehr. Gesundheitsämter bieten freiwillige, oft anonyme Tests.
  22. 2001
    19. Oktober
    Der Bundestag beschließt das Prostitutionsgesetz (SPD/Grüne, FDP, PDS). Der Bundesrat ruft am 9. November 2001 den Vermittlungsausschuss an.
  23. 2001
    20. Dezember
    Prostitutionsgesetz ausgefertigt, BGBl. I S. 3983. In Kraft am 1. Januar 2002. § 1: Ein vereinbartes Entgelt begründet eine rechtswirksame Forderung.
  24. 2003
    27. Juni
    Neuseeland, Prostitution Reform Act, Royal Assent. Hauptteil in Kraft am 28. Juni 2003. Dekriminalisierung Erwachsener. Eine Kontrastzeile, kein Modell-Essay.
  25. 2016
    13. April
    Frankreich, Loi n° 2016-444. Der Kauf wird strafbar. Die Anbahnung durch Sexarbeitende wird entkriminalisiert.
  26. 2016
    7. Juli
    Der Bundestag nimmt das Prostituiertenschutzgesetz an (CDU/CSU, SPD).
  27. 2016
    21. Oktober
    Das Gesetz wird ausgefertigt, BGBl. I S. 2372. Wesentliche Teile in Kraft am 1. Juli 2017. Anmeldepflicht, Erlaubnis für das Gewerbe, Kondompflicht.
  28. 2017
    31. Dezember
    Destatis führt die Statistik erstmals durch. 6.959 gültige Anmeldungen, 1.350 Erlaubnisse. Die Behörde schreibt, die Verwaltung befinde sich noch im Aufbau.
  29. 2026
    21. August
    Destatis-Pressemitteilung 301. Ende 2025 rund 32.500 angemeldete Prostituierte und rund 2.260 Erlaubnisse.

Was die Zahlen zählen

Destatis zählt gültige Anmeldungen und Erlaubnisse jeweils am 31. Dezember. Pressemitteilungen runden. Die Tabellen nicht. Wer sich nicht angemeldet hat, fehlt in jedem Jahr. Das Geschlecht wird nicht erhoben. Die Behörde schreibt das in jeder neueren Mitteilung.

  • 31. Dezember 2017: 6.959 Anmeldungen, 1.350 Erlaubnisse. Aufbaujahr. Mehrere Länder ohne Angabe.
  • 31. Dezember 2018: 32.799 Anmeldungen, 1.600 Erlaubnisse.
  • 31. Dezember 2019: 40.369 Anmeldungen, 2.167 Erlaubnisse. Hoch vor der Pandemie. Spätere Mitteilungen schreiben 40.400 und 2.170.
  • 31. Dezember 2020: 24.940 Anmeldungen, 2.285 Erlaubnisse. Untersagungen in der Pandemie.
  • 31. Dezember 2021: 23.743 Anmeldungen, 2.286 Erlaubnisse. Tiefpunkt der Reihe.
  • 31. Dezember 2022: 28.278 Anmeldungen, 2.314 Erlaubnisse. Plus 19,1 Prozent zum Vorjahr, Mitteilung vom 15. September 2023. Die Zuständigkeitsumstellung in Thüringen schränkt den Vergleich ein.
  • 31. Dezember 2023: 30.636 Anmeldungen, 2.312 Erlaubnisse. Plus 8,3 Prozent, Mitteilung vom 12. Juli 2024.
  • 31. Dezember 2024: 32.254 Anmeldungen, 2.253 Erlaubnisse. Plus 5,3 Prozent, Mitteilung 240 vom 3. Juli 2025.
  • 31. Dezember 2025: 32.474 Anmeldungen, 2.255 Erlaubnisse. Plus 0,7 Prozent und plus 0,1 Prozent. Mitteilung 301 vom 21. August 2026 rundet auf rund 32.500 und rund 2.260. Die Berliner Tätigkeitszahl ist noch die von 2024.

Ende 2025 unter den Angemeldeten: 23.900 Personen (74 Prozent) zwischen 21 und 44 Jahren, 7.600 (24 Prozent) 45 oder älter, 900 (3 Prozent) zwischen 18 und 20. Deutsche Staatsangehörigkeit 5.700 (18 Prozent), rumänische 11.300 (35 Prozent), bulgarische 3.500 (11 Prozent), spanische 2.900 (9 Prozent). Von den Erlaubnissen waren 93 Prozent Stätten, „zum Beispiel Bordelle“, 5 Prozent Vermittlungen, 2 Prozent Fahrzeuge und Veranstaltungen zusammen.

Nach Ländern lagen am 31. Dezember 2025 die größten Bestände in Nordrhein-Westfalen (8.339), Bayern (4.826), Baden-Württemberg (3.835) und Hessen (3.804). Die Zahl folgt dem Sitz der Behörde, nicht dem Arbeitsort.

Die Gesetzesbegründung 2001 (Drucksache 14/5958) schrieb „etwa 400.000 Personen, überwiegend Frauen“ und „täglich von über einer Million Männer.“ Eine Methode hing nicht an. 2016 setzte Drucksache 18/8556 die Spanne auf 150.000 bis 700.000, nannte Hydras 400.000 eine Zahl aus den 1980er Jahren, „nicht zur Verwendung geeignet“, und rechnete mit 200.000 als Arbeitsbasis für den Erfüllungsaufwand. Das bleibt eine Schätzung. Es ist kein Bestand 2026.

Das Bundeskriminalamt zählte im Bundeslagebild Menschenhandel 2024 genau 364 Verfahren sexueller Ausbeutung und 465 Opfer (449 weiblich, 12 männlich). Das ist das Hellfeld der Strafverfolgung. Es ist nicht die Branche, und es ist kein Anteil an den 32.474.

Das Robert Koch-Institut meldete im Epidemiologischen Bulletin 26/2026 genau 3.152 gesicherte HIV-Neudiagnosen (Stand 1. April 2026). Eine bundesweite HIV-Quote „der Prostituierten in Deutschland“ steht in dieser Reihe nicht. Ein lokaler Pilot in Landshut, 48 Angemeldete, fand akute meldepflichtige sexuell übertragbare Infektionen selten. Das rechnet sich nicht auf das Land hoch.

Was das Gesetz heute anschaut

Sind sexuelle Handlungen gegen ein vorher vereinbartes Entgelt vorgenommen worden, so begründet diese Vereinbarung eine rechtswirksame Forderung.

Prostitutionsgesetz, § 1, in Kraft seit 1. Januar 2002

Das Prostituiertenschutzgesetz setzt den heutigen Rahmen dazu. Eine sexuelle Dienstleistung ist eine sexuelle Handlung an oder vor einer anwesenden Person gegen Entgelt. Die Anmeldepflicht steht in § 3. Die Erlaubnis für das Gewerbe in § 12. Die Kondompflicht in § 32. Geschlechtsverkehr ohne Kondom kann die Kundschaft bis 50.000 Euro kosten. Eine Stätte muss die Pflicht aushängen und Kondome bereithalten. Beim Hotel-Outcall hängt typischerweise kein Zettel. Die Pflicht bleibt. Dazu gibt es auf dieser Seite schon den Text Escort oder Bordell.

Das eingeschränkte Weisungsrecht gilt für Haus und Agentur. Niemand darf vorschreiben, ob, wie oder in welchem Ausmaß sexuelle Dienstleistungen erbracht werden. Es gibt keinen Anspruch auf Sex, weil du gezahlt hast.

Drei Nachbardaten, keine Weltkarte

Schweden, 1. Januar 1999: Der Kauf ist eine Straftat. Niederlande, 1. Oktober 2000: Das allgemeine Bordellverbot fällt. Frankreich, 13. April 2016: Die Freier werden strafbar, die Anbahnung durch die Verkaufende nicht. Deutschland hat 2002 und 2017 eine andere Tür gewählt: zivilen Anspruch, dann Anmeldung und Erlaubnis. Das sind Modelle, keine Rangliste.

Was vor dem Zahlen zu klären ist

  • Kaufst du eine sexuelle Handlung, oder einen Abend unter Gästen?
  • Haus oder Person: Walk-in, oder ein Termin?
  • Welches Gesetz gilt hier: Anspruch von 2002, Anmeldung von 2017, oder eine Hausregel, die nur Hausregel ist?
  • Kondome: Aushang, oder nur deine Pflicht als Kundschaft?
  • Welche Zahl liest du: Destatis-Anmeldungen, eine Schätzung der 1980er, oder eine Handelszählung?

Saturated Love listet keine Bordelle und keine Escorts. Diese Türen erklärt das Magazin. Wolltest du Gäste, das sind Swingerclubs. Wolltest du eine Show, das sind Stripclubs.

Kurz: „Das älteste Gewerbe der Welt“ ist eine Zeile von 1888 oder 1889. Sexkauf ist ein datierter Vertrag. In Deutschland gilt der Anspruch seit dem 1. Januar 2002. Die Anmeldung steht seit dem 1. Juli 2017. Destatis zählte Ende 2025 genau 32.474 gültige Anmeldungen. Das ist ein Verwaltungsbestand, nicht die Branche seit Babel.

Häufige Fragen

Ist Prostitution das älteste Gewerbe der Welt?

Nein. Die Formel ist ein Klischee des späten 19. Jahrhunderts. Rudyard Kipling schrieb 1888 oder 1889, eine Figur gehöre zum „most ancient profession in the world.“ Historiker nehmen das nicht als Befund. Datierbar ist der Vertrag: Geld für eine sexuelle Handlung, und die Regeln darum.

Seit wann ist Sexkauf in Deutschland ein gültiger Vertrag?

Seit dem 1. Januar 2002. Der Bundestag beschloss das Prostitutionsgesetz am 19. Oktober 2001. Ausgefertigt am 20. Dezember 2001, in Kraft am Neujahrstag. Sind sexuelle Handlungen gegen ein vorher vereinbartes Entgelt vorgenommen worden, begründet diese Vereinbarung eine rechtswirksame Forderung.

Wie viele Prostituierte gibt es in Deutschland?

Eine Vollzählung veröffentlicht niemand. Destatis zählte am 31. Dezember 2025 genau 32.474 gültige Anmeldungen. Das ist der Verwaltungsbestand nach der Anmeldepflicht. Wer sich nicht angemeldet hat, fehlt. Die 400.000 aus der Gesetzesbegründung 2001 sind eine Schätzung aus den 1980er Jahren. 2016 nannte die Bundesregierung diese Zahl selbst ungeeignet.

Erhebt Destatis das Geschlecht der Angemeldeten?

Nein. Die Anmeldung sieht die Angabe nicht vor, die Statistik erhebt sie nicht. Alter und Staatsangehörigkeit werden veröffentlicht. Ende 2025 waren 74 Prozent zwischen 21 und 44, 35 Prozent hatten die rumänische Staatsangehörigkeit.

Seit wann gilt die Kondompflicht?

Seit dem 1. Juli 2017, nach § 32 des Prostituiertenschutzgesetzes. Kunden und Prostituierte müssen beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden. Das Bußgeld trifft die Kundschaft, bis 50.000 Euro. Der Bundestag nahm das Gesetz am 7. Juli 2016 an, ausgefertigt am 21. Oktober 2016.

Gab es Tempelprostitution?

Herodot schrieb im 5. Jahrhundert v. Chr., jede Babylonierin müsse einmal im Tempel der Aphrodite mit einem Fremden schlafen. Das ist ein literarischer Satz. Stephanie Budin hat 2008 vertreten, heilige Prostitution habe es als Institution im Alten Orient und Mittelmeerraum nicht gegeben. Tempelhuren nicht als Fakt schreiben.

Was war 1927?

Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten wurde am 18. Februar 1927 ausgefertigt und trat am 1. Oktober 1927 in Kraft. Es brachte Behandlungszwang und beendete die staatliche Bordellierung als Reichsrecht. Nach 1953 erlaubte ein Nachfolgegesetz der Bundesrepublik den Gesundheitsämtern, Freiheit einzuschränken. Dieses Gesetz trat am 1. Januar 2001 außer Kraft.

Ist Menschenhandel dasselbe wie Sexkauf?

Nein. Das Bundeskriminalamt zählte für 2024 in abgeschlossenen Verfahren 465 Opfer sexueller Ausbeutung. Das ist das Hellfeld der Strafverfolgung, nicht die Branche. Es darf nicht mit den 32.474 Anmeldungen verrechnet werden.

Quellen

Als Nächstes

Escort oder Bordell?