Magazin/Fetisch-Club oder BDSM-Studio?
Fetisch-Club oder BDSM-Studio?
Eine Nacht unter Gästen, oder eine Stunde, die du buchst. Die Wörter überlappen. Der Vertrag an der Tür nicht.

Wer Fetisch-Club und BDSM-Studio in dieselbe Suche packt, will meist eine Türentscheidung: eine Nacht unter Gästen, oder eine Stunde, die du buchst. Die Wörter überlappen. Der Vertrag an der Tür nicht.
Fetisch meint enger die Erregung durch ein Material, ein Kleidungsstück, ein Objekt oder eine Situation. BDSM bündelt Bondage, Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus. Eine Clubnacht kann das Erste als Look verkaufen. Ein Studio verkauft das Zweite als verhandelte Stunde. Viele Häuser mischen beides. Das Ticket sagt trotzdem, welchen Abend du gekauft hast.

Ticket oder Termin
Ein Fetisch-Club verkauft typischerweise eine Nacht. Es gibt einen Kalender, eine Tür, oft einen Dresscode, oft einen Obolus. Du bist Gast unter Gästen. Ob Dancefloor, Pool oder Play-Area dazugehören, steht auf der Eventseite, nicht im Wort Fetisch.
Ein BDSM-Studio verkauft typischerweise eine Session. Du schreibst einer bestimmten Person, vereinbarst eine Zeit, zahlst oft eine Anzahlung. Laufkundschaft ist oft nicht vorgesehen. Die Initiative Kundschaft pro Sexarbeit beschreibt das übliche Muster: Anfrage, Anzahlung, kurzes Gespräch an der Tür, Honorar, Dusche, dann die Stunde. Aftercare gehört zu diesem Muster, nicht zur Dekoration.
Es gibt ein drittes Modell: Du mietest ein Spielzimmer ohne Domina. Das ist Zimmermiete, keine Clubnacht und keine Session. Die Fetish Lofts in Hamburg, hier unter BDSM-Studios gelistet, verkaufen diese Miete auf ihrer Seite. Die Kategorie ist kein Vertrag.
Gast, oder die Person, die die Stunde bezahlt
Im Club teilst du das Haus mit anderen Gästen. Zuschauen ist oft vorgesehen. Anfassen ohne Frage nicht. Der KitKatClub in Berlin schreibt auf seiner Seite, er sei kein Swingerclub, und Anfassen ohne Einverständnis bedeute Hausverbot, lebenslänglich. visitBerlin wiederholt die Consent-Linie und das Fotoverbot. Das ist Betreibertext und Tourismustext, kein Versprechen für jede Fetischtür im Land.
Im Studio bist du die andere Person im Zimmer. Eine Session ist zeitlich begrenzt: Gespräch vorher, Safeword, Aftercare. Du sitzt nicht im Publikum. Wer nur zuschauen wollte, hat das falsche Format gebucht.
Latex an der Tür, Kreuz im Kalender
Fetischmode (Latex, Leder, PVC) ist Clubsprache. Das Outfit entscheidet oft, ob du reinkommst. Es ist keine Einladung, angefasst zu werden, und keine verhandelte Szene.
Eine Studiostunde steht auf Ausstattung und einem Plan: Kreuz, Bock, Klinikzimmer, was die Leistungsbeschreibung nennt. Geschlechtsverkehr steht auf SM-Partys oft nicht im Mittelpunkt. Viele Studios schließen ihn im Buchungstext aus. Das ist eine Betreiberzeile. Es ist keine rechtliche Ausnahme.

Hybride: dasselbe Haus, anderer Vertrag
Manche Häuser bleiben nicht in einer Spalte. Insomnia in Berlin steht hier unter Fetisch-Clubs und verkauft sich als Nacht- und Swingerclub mit Fetisch- und BDSM-Reihen. Der Club de Sade in Hamburg verkauft Play-Partys mit Leder- und Latexcode und schreibt, eine Domina könne dazugebucht werden. TOUCH in Hamburg nennt sich BDSM-Nightclub und schreibt, es gebe keinen Dresscode, und Erotik sei gewünscht, aber keine Pflicht.
Das ist Betreibertext. Die Kategorie im Verzeichnis ist ein Regal, kein Urteil. Die Hausregeln dieses Abends entscheiden. Ist eine Session extra, hast du zwei Dinge gekauft.
Was das Gesetz anschaut
Eine sexuelle Dienstleistung ist eine sexuelle Handlung mindestens einer Person an oder vor mindestens einer anderen unmittelbar anwesenden Person gegen Entgelt oder das Zulassen einer sexuellen Handlung an oder vor der eigenen Person gegen Entgelt.
Prostituiertenschutzgesetz, § 2
Geschlechtsverkehr steht in diesem Satz nicht. Eine Vorführung mit ausschließlich darstellerischem Charakter, bei der niemand sonst sexuell einbezogen ist, fällt heraus. Ein spirituelles, pädagogisches oder „ohne GV“-Label nicht.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat am 22. Juli 2020 (14 L 163/20) ein BDSM- und Domina-Studio als Prostitutionsstätte eingeordnet. Die Leistungen waren BDSM ohne Geschlechtsverkehr. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat am 20. August 2020 (1 S 2347/20) ein Domina-Studio in einem Corona-Schließungsfall ebenso behandelt. Zwei Eilentscheidungen, kein Gesetz, das jedes Haus im Land beim Namen nennt.
Eine Fetisch-Clubnacht ist nicht automatisch eine Prostitutionsveranstaltung. Das Gesetz braucht einen offenen Teilnehmerkreis und mindestens eine anwesende Person, die eine bezahlte sexuelle Dienstleistung anbietet. Eintrittsgeld allein tut das nicht. Läuft Sexarbeit mit Wissen des Betreibers, rettet das Wort auf dem Flyer den Abend nicht. Die Gewerbehinweise aus Nordrhein-Westfalen sagen dasselbe über Clubs, die sich Swingerclub nennen.
Die Kondompflicht in § 32 gilt für den Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten, und wer ein Prostitutionsgewerbe betreibt, muss sie aushängen. Sie klebt sich nicht an das Wort Fetisch an der Tür.
Die dritte Tür, und was nicht dazugehört
Ein Swingerclub rückt die sexuelle Begegnung unter Gästen näher an die Mitte als Seil oder Latexcode. Eine Kinky Party ist ein Türschild für einen Abend, kein Gebäudetyp. Ein Sexshop ist Handel. Keines der drei ist eine gebuchte Studiostunde.
Was vor der Tür zu klären ist
- Ist es ein Event oder ein Termin?
- Zahlst du das Haus, oder eine Person?
- Gibt es eine Play-Area, und ist Sex dort vorgesehen?
- Ist der Dresscode Pflicht, Empfehlung oder offen?
- Handy und Fotos: verboten, oder nur weg vom Spielraum?
- An wen wendest du dich, wenn eine Grenze überschritten wird?
- Steht Geschlechtsverkehr im Buchungstext, oder ausdrücklich nicht?
Preise unterscheiden sich nach Haus und Abend. Einen Branchensatz gibt es hier nicht. Die Zahl, die zählt, steht auf der Eventseite oder in der Buchungsmail.
Adressen im Verzeichnis
Adressen sitzen unter Fetisch-Clubs und BDSM-Studios. Was dort gelistet ist, ist ein Eintrag, kein Test. Die Hausregeln gelten vor dem Wort auf dem Schild.
Kurz: Ein Fetisch-Club verkauft eine Nacht unter Gästen. Ein BDSM-Studio verkauft eine verhandelte Stunde. Hybride gibt es. Das Gesetz schaut auf Entgelt plus sexuelle Handlung, nicht auf das Wort an der Tür. Was du gekauft hast, steht im Kleingedruckten.
Häufige Fragen
Was unterscheidet einen Fetisch-Club von einem BDSM-Studio?
Ein Fetisch-Club ist meist eine Nacht unter Gästen: Ticket, Tür, Dresscode, optional eine Play-Area. Ein BDSM-Studio ist meist eine gebuchte Stunde mit einer Person: Termin, Gespräch, Honorar für die Session. Die Wörter überlappen. Der Vertrag an der Tür nicht.
Ist ein Fetisch-Club dasselbe wie eine Kinky Party?
Nein. Kinky Party ist ein Sammelwort für einen Abend. Ein Fetisch-Club ist ein Ort, der diesen Abend oft verkauft. Was passiert, steht in den Hausregeln, nicht in einem der beiden Namen.
Brauche ich für ein BDSM-Studio ein Latex-Outfit?
Das entscheiden Studio und die Person, die du buchst, nicht die Suche. Im Club filtert der Dresscode oft die Tür. Im Studio ersetzt kein Catsuit das Gespräch vorher.
Ist ein BDSM-Studio Sexarbeit?
Das Gesetz schaut auf eine bezahlte sexuelle Handlung an oder vor einer anwesenden Person. Geschlechtsverkehr ist nicht nötig. Ein Berliner Gericht hat ein Domina-Studio ohne Geschlechtsverkehr als Prostitutionsstätte eingeordnet. Eine spirituelle oder pädagogische Rahmung ist keine automatische Ausnahme. Nicht jedes Haus fällt darunter.
Findet im Fetisch-Club Sex statt?
Das kann vorkommen. Es ist nicht geschuldet, weil das Wort Fetisch an der Tür steht. Manche Häuser schreiben, sie seien kein Swingerclub, und Anfassen ohne Einverständnis beendet den Abend. Die Eventseite lesen.
Kann ich im Studio nur zuschauen?
Eine Studiostunde ist kein Zuschauerraum. Zuschauen ist typischer für eine Play-Party oder eine Clubnacht mit Play-Area. Ist die Buchung eine Session, bist du die andere Person im Zimmer.
Wo finde ich Adressen?
Fetisch-Clubs und BDSM-Studios sind hier gelistet. Ein Eintrag ist kein Test. Die Hausregeln des Abends oder der Buchungstext gelten vor dem Gattungsnamen.
Quellen
- Wikipedia: BDSM
- Wikipedia: Sexueller Fetischismus
- Wikipedia: Fetish fashion
- Wikipedia: Play party (BDSM)
- Prostituiertenschutzgesetz, § 2
- Prostituiertenschutzgesetz, § 32
- BMBFSFJ: Fragen und Antworten zum Prostituiertenschutzgesetz
- VG Berlin, 14 L 163/20 (22. Juli 2020)
- VGH Baden-Württemberg, 1 S 2347/20 (20. August 2020)
- Baden-Württemberg: Verwaltungsvorschrift ProstSchG-Gewerbe
- NRW-Hinweise ProstSchG-Gewerbe (Duisburg-PDF)
- KitKatClub: Hausregeln (Betreiber)
- visitBerlin: KitKatClub
- TOUCH Club Hamburg (Betreiber)
- Club de Sade / CDS Events (Betreiber)
- INSOMNIA Berlin (Betreiber)
- Fetish Lofts Hamburg (Betreiber)
- IKPSx: Was passiert in einem BDSM-Studio
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